Wissen ist besser als glauben – HIV- und STI-Test

Ich war bei meinem ersten HIV- und STI-Test in München. Warum? Wie habe ich ihn gefunden? Was wurde gemacht? Was hat der AIDS-Test gekostet? Brauchst sowas auch du? All das gibt’s hier in meinem Erfahrungsbericht.

Warum gehe ich zum HIV-Test?

Ich komme gerade aus einer Langzeitbeziehung. Natürlich gehöre ich damit zur niedrigsten Gefahrengruppe, aber trotzdem habe ich mich entschieden, dass ich es lieber genau wissen will und nicht nur sicher glauben. Ich finde unser Gesundheitssystem toll, dass es Möglichkeiten gibt für regelmäßige Check-Ups. So nehme ich ja auch den Frauenarzt-Termin einmal im Jahr wahr.

Als wir damals zusammen kamen, hatte ich meinen Partner gebeten, einen Test machen zu lassen. Ich war in der Zeit regelmäßig zum Plasmaspenden, darum wusste ich, dass ich HIV negativ war. Somit wollte ich auch gern bei ihm sicher gehen.

Nun, 8 Jahre später, war ich mir 99,99% sicher, dass sich an seinem und meinem Status diesbezüglich nichts geändert haben würde, aber trotzdem wollte ich es genau wissen. Schließlich weiß ich ja nicht, was (oder wer) jetzt noch so alles kommt, also habe ich mir – neben ausnahmsloser Verhütung natürlich – vorgenommen, solch einen Test regelmäßig durchführen zu lassen.

Natürlich wollte ich auch für meinen Blog und meine Leser mit gutem Beispiel voran gehen.

Mit welchen STI könntest du dich wie angesteckt haben?

HIV ist nicht die einzige STISTI steht für sexually transmitted infections, also Infektionen, die unter anderem auch durch Geschlechtsverkehr und Flüssigkeitsaustausch übertragen werden können. Die wohl „bekannteste“ ist AIDS. Während der HI-Virus lange Zeit als unheilbar galt, kann man ihn nun rechtzeitig erkannt mit Medikation im Griff behalten. Auch wenn vielleicht der ursprüngliche Horror etwas abgeschwächt ist, gilt trotzdem „Vorsicht ist besser als Nachsicht“! Also denk immer daran: Kondome schützen. Das gilt auch für Oralsex. Hier kann ich beispielsweise trockene Kondome für den Blowjob empfehlen oder Lecktücher für einen Cunnilingus.

Übrigens viele Menschen haben sich im Laufe ihres Leben schonmal mit der einen oder anderen STI angesteckt, ohne es vielleicht bemerkt zu haben. Chlamydien, Herpes, Feigwarzen und Pilzerkrankungen zum Beispiel. Aber leider sind auch Tripper und Syphilis wieder „im Kommen“, da viele Leute wieder fahrlässiger mit der Verwendung von Kondomen umgehen.

HIV und Hepatitis B beispielsweise werden über Flüssigkeiten übertragen. Das können zum Beispiel Sperma, Scheidenflüssigkeit, der Flüssigkeitsfilm der Darmschleimhaut oder (Menstruations-)Blut sein. Besonders Schleimhäute sind besonders durchlässig für Erreger, darum ist es immer wichtig, sich zu schützen. Keine fremden Flüssigkeiten an offene Wunden kommen lassen, kein ungeschützter Geschlechtsverkehr.

Schleimhäute selbst können auch schön die Krankheitsträger sein. Chlamydien und Herpes sind hier wohl die bekanntesten Beispiele. Außerdem kannst du dich auch per Schmierinfektion anstecken. Gonorrhö und Hepatitis A beispielsweise gehören dazu. Darum solltet ihr zum Beispiel auch (latexfreie) Kondome nutzen, wenn ihr euch ein Spielzeug teilt.

Wo kann man sich denn auf Geschlechtskrankheiten testen lassen?

Diese Frage ich fand ich schon ein bisschen herausfordernder. Denn was genau welches Institut wo anbietet, ist durch Google gar nicht so leicht, rauszufinden. Ich habe mich dann gefragt, ob bei einem AIDS Test auch andere Sachen im Blut getestet werden usw.

Ich bin letztendlich zur Beratungsstelle im Referat für Gesundheit und Umwelt gegangen. Das ist in München sehr zentral gelegen und seriös. Außerdem schien es auch genau das zu bieten, was ich gesucht habe. Natürlich gibt es noch weitere Beratungsstellen. Bei der Deutschen Aidshilfe kannst du beispielsweise direkt nach möglichen Test-Stellen in deiner Nähe suchen.

Eine Alternative zu einem „amtlichen“ STI-Test kann natürlich auch der Hausarzt deines Vertrauens sein. Bei einem Bluttest kann auf Wunsch auch hier nach weiteren Möglichkeiten als nur die Standard-Werte geprüft werden. Ebenso kannst du auch bei deinem Frauenarzt einen Test auf Chlamydien machen lassen. Von der Krankenkasse werden diese Zusatzleistungen aber in der Regel nicht übernommen.

Wie ist es, sich testen zu lassen?

Nervös vor einem STI-TestAuch wenn ich mir eigentlich sicher war, nichts zu haben, so war ich doch ein wenig aufgeregt, als ich spontan entschieden habe, endlich so einen HIV-Test machen zu lassen. Mein Herz schlug schnell. Für einen kurzen Augenblick dachte ich mir auch „Was wohl die Leute von mir denken, die mich hier rein gehen sehen?“. Und dann merkte ich, wie egal mir das war. Ich mein, ich tat hier etwas Verantwortungsvolles. Es gibt viele Wege, sich anzustecken und es liegt ja auch nicht nur an einem selbst. Also ist es gut, über sich Bescheid zu wissen, nicht nur der eigenen Gesundheit wegen, sondern auch für deine Mitmenschen. Sei stolz darauf, so erwachsen zu sein.

Noch viel nervöser war ich dann aber, als es darum ging, für das Ergebnis hinzugehen. Was, wenn doch etwas Unerfreuliches herauskommt? Bin ich seelisch darauf vorbereitet? So viele Gedanken, die mir durch den Kopf gingen. Aber keiner war abschreckend genug, es nicht wissen zu wollen.

Wenn du in deinem Kopf das Bild hast, dass dort nur Leute sitzen, denen man förmlich ansieht, wie unachtsam sie ihr Leben leben, hast du dich übrigens getäuscht. Genau wie ich kann jeder Mensch einen STI-Test machen lassen. HIV kann jeden treffen und jeder hat ein Recht darauf, sich testen zu lassen. Genau so sieht es auch im Wartezimmer aus. Es ist typisch Amt. Ich zog eine Nummer, setzte mich hin und wartete, bis ein Bildschirm mir anzeigte, in welches Zimmer ich mit meiner Nummer gehen soll.

Darin gab es dann ein kurzes Gespräch zu meinen Beweggründen hinzukommen (Fun Fact: Es gibt keine dummen Gründe, sich auf Geschlechtskrankheiten testen zu lassen. Danach wurde mir Blut abgenommen und ich habe selbst einen Abstrich gemacht. Einen Namen musste ich nirgends angeben, es ist alles anonym. Ich habe einen Zettel mit den Test-Strichcodes bekommen und mein Geburtsdatum und ein Passwort angegeben, womit das zum Ergebnis-Abholen abgeglichen wird.

Nicht nur ein AIDS-Test

Es handelt sich um eine Beratungsstelle. Du bekommst nicht nur einen HIV-Test, sondern auch um eine umfassende Beratung. Es gibt keine dummen Fragen. Wenn dir also irgendwas auf der Seele brennt, frag. Wissen ist schließlich besser als glauben.

  • Was sind Risikogruppen?
  • Welche Geschlechtskrankheiten gibt es außer AIDS?
  • Kann ich mich beim Oralverkehr mit HIV anstecken?
  • Wie kann ich mich schützen?
  • Ich bin bi, bin ich dadurch gefährdeter?

Es gibt tausende Fragen, die du beim Besuch für einen STI-Test haben könntest. Und jede darf gestellt werden. Es ist ja auch alles anonym.

Es gibt also keinen einzigen Grund, sich nicht testen zu lassen. Ich bin froh, nun wieder Gewissheit zu haben. Und du?

Deine Sally

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